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Viel Sprengstoff in St. Lambrecht, bloß kein Dynamit mehr Traditionswerk Austin Powder errichtet neue Anlage, muss weitere Arbeitsplätze abbauen. Kurzarbeit bis September. Ein Lokalaugenschein zwischen Resignation, Spekulation, Hoffnung
 Ein Jahr nach der Explosion wird das Sprengstoffwerk wieder aufgebaut Foto: APA
Bei einem Geburtstagsfest jüngst im St. Lambrechter Kupferdachl wollte nicht so recht Stimmung aufkommen: "Eigentlich haben wir keinen Grund zu feiern..." erinnert sich Wirt Stefan Dapoz an die düstere Haltung der Gäste. An die Sorge um Arbeitsplatz und Bevölkerungsrückgang im Ort, die die Situation des Traditionswerkes Austin Powder in die Köpfe krallt. Ein Jahr ist vergangen, seit die verheerende Explosion zwei Menschenleben und eine nach der Restrukturierungsphase erlebte "Erfolgsstory" in die Luft jagte.
Mitarbeiter des Werks. Reichlich Sprengstoff auch am Mittwochvormittag im Kupferdachl. Ein Pensionist und ein junger Mitarbeiter des Werkes geben sich mit dem Koch den Spekulationen hin. Darüber, wie viele noch gehen müssen, was wieder aufgebaut wird: "Die sollen einmal die Wahrheit sagen! Das, was war kommt ja nicht mehr."
Zukunft des Standortes. Nein, das kommt nicht mehr. Und es ist ausgerechnet der gelatinöse Sprengstoff Dynamit, den die Lambrechter als ihr Herzstück empfanden. Er musste bereits im Vorjahr wegen der zerstörten Produktionsanlage zugekauft werden. Vergangene Woche waren die Eigentümervertreter aus den USA zugegen, informierten über ihre Entscheidung, die Zukunft des Standortes betreffend. Ein Standort, auf den Austin Powder laut Geschäftsführer Wolfgang Schuster durchaus stolz ist. "Zusperren war nie Thema, vorausgesetzt, die Zahlen stimmen", versichert er im Gespräch mit der Kleinen Zeitung.
Schwarze Zahlen. Für diese schwarzen Zahlen soll nun die Errichtung einer Anlage zur Herstellung von Emulsionssprengstoffen sorgen. Welche unter anderem im Tunnel- und Straßenbau, in Steinbrüchen und bei Lawinen zu ihrem bombigen Einsatz kommen. Schuster: "Wir glauben, dass darin die Zukunft liegt, planen auch neue Produkte und wollen in Zusammenarbeit mit den amerikanischen Experten verstärkt in die Forschung gehen." Geforscht wird bereits jetzt, Chemiker Horst Schmidt lässt sich im Labor von uns für ein Foto überfallen.
Ziviler Sprengstoff. Freilich ist Austin Powder das einzige Werk in Österreich, das zivilen Sprengstoff erzeugt, hierzulande Marktführer und Zentrale für Südosteuropa. Abnehmer für gelatinösen Sprengstoff wie Italien und Frankreich fallen nun weg, Wolfgang Schuster glaubt aber, mit den neuen Emulsionen den Markt sogar auszuweiten. "Laufen die Geschäfte wieder, könnte es ja mehr Arbeitsplätze geben", wagt später auch der Kupferdachlwirt eine optimistische Prognose.
Kurzarbeit verlängert. Davon ist man derzeit weit entfernt: Der vor der Explosion 115 Mitarbeiter starke Standort schrumpfte auf 85, weitere 30 sind beim Arbeitsmarktservice zur Kündigung angemeldet. So viele werden laut Chef nicht gehen müssen, im besten Fall vielleicht 15. Die im Jänner verordnete Kurzarbeit wurde bis September verlängert. Das Inlandsgeschäft liegt heuer im ersten Quartal um 37 Prozent hinter 2008.
Arbeitsplätze sichern. Wolfgang Schusters Devise: restliche Arbeitsplätze sichern. Hinter ihm hängt ein Porträt von Alfred Nobel, dem Erfinder des Dynamits. In St. Lambrecht wurde es in die Luft gejagt.
Neustart nach Explosion in der Munitionsfabrik St. Lambrecht Munitionsfabrik in St. Lambrecht wird nach Zerstörung neu gebaut.
Ein Jahr nach der Explosion wird das Sprengstoffwerk wieder aufgebaut Foto: APA
(Kleine Zeitung 10.04.2009)
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